Montag, November 13

[Rezension] Scherben der Dunkelheit von Gesa Schwarz

[Anzeige enthält Werbelinks]

Gebundene Ausgabe: 592 Seiten
Verlag: cbt
Erscheinungstermin: 25. September 2017
ISBN-10: 3570164853


Die sechzehnjährige Anouk verbringt die Ferien in einem kleinen Dorf in der Bretagne. Kurz nach ihrer Ankunft gastiert der Dark Circus in der Nähe: ein geheimnisvoller Zirkus, der im Dorf für seine düsteren und besonderen Vorstellungen bekannt ist. Auch Anouk gerät schnell in seinen Bann und damit in einen Kosmos, den sie kaum für möglich hielt: Eine magische Welt öffnet sich vor ihr, in der sie den mysteriösen Zauberer Rhasgar kennenlernt. Doch der Dark Circus birgt mehr, als Anouk ahnt. Bald schon schwebt sie in tödlicher Gefahr und weiß nicht mehr, wem sie trauen kann. Denn es gibt keine Regeln im Dark Circus bis auf eine: Nichts ist, wie es scheint
Gesa Schwartz wurde 1980 in Stade geboren. Sie hat Deutsche Philologie, Philosophie und Deutsch als Fremdsprache studiert. Nach ihrem Abschluss begab sie sich auf eine einjährige Reise durch Europa auf den Spuren der alten Geschichtenerzähler. Für ihr Debüt „Grim. Das Siegel des Feuers“ erhielt sie 2011 den Deutschen Phantastik Preis in der Sparte Bestes deutschsprachiges Romandebüt. Zurzeit lebt sie in der Nähe von Hamburg in einem Zirkuswagen.

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Das Cover hat mich sofort angesprochen. Zu dem mittig gehaltenen, silbernen Titel passt das leicht melancholisch schauende Mädchen auf der Schaukel hervorragend. Alles ist in dunkelen Blautönen gehalten, vom Hintergrund bis zum opulenten Kleid des Mädchens. Insgesamt ein schönes Gesamtbild, das man sich gerne anschauen mag.

Ein dunkler Zirkus, geheimnisvolle Geschehnisse, düster, besonders und tödliche Gefahr... ich muss sagen, allein beim Klappentext hat man mich schon mal gepackt.
Mit genauso viel Euphorie bin ich in Scherben der Dunkelheit gestartet und bin gleich von Anfang an gut in die Geschichte rund um Anouk gekommen. Das Teenie-Mädchen, das den ersten Urlaub ohne ihre Eltern verbringen möchte und es sich zum Ziel gemacht hat, dies zu der besten Zeit überhaupt werden zu lassen, was für sie nicht unbedingt Party bedeutet sondern eher ein gutes Buch.
Als der Dark Zirkus in die Stadt kommt ahnt das Mädchen noch nicht, das sie schon bald ein Teil der Vorstellung sein wird und gegen das Böse ankämpft.

Über den Namen Gesa Schwarz bin ich schon öfter gestolpert, habe bislang allerdings kein Buch von ihr gelesen, was ich zum jetzigen Zeitpunkt schon ein wenig bedauere. Die Autorin schaffte es wirklich mich mit ihrer faszinierenden Welt anzustecken und mich komplett in den Bann zu ziehen.
Im Fokus steht wie schon erwähnt die 16-jähriege Anouk. Sie wirkt sehr reif für ihr Alter und macht keinen Hehl daraus, nicht wie andere in ihrem Alter ein Partyhopper zu sein. Das schüchterne Mädchen zeichnet gerne und liest viel. Sie ist nicht so versessen auf den Kontakt mit anderen Menschen und bleibt gerne für sich. Da die Geschichte aus ihrer Sicht erzählt wird, hat man als Leser die tolle Möglichkeit hier wirklich tief in ihre Gefühlswelt einzutauchen, was besonders im Hinblick auf die zarten Gefühle, die sich für den Zauberer Rhasgar entwickeln.

Rhasgar selber hat mich im Laufe des Buches auch sehr bewegt. Sein Weg zählt nicht grade zu den leichtesten, was ihn für mich zur interessantesten Figur in dem Buch machte.

Der einfache Schreibstil lässt keinerlei Verständnisprobleme aufkommen, schafft es dennoch den Zauber der Welt zu transportieren und alles in allem sehr stimmig für Personen und Szenarien zu wirken. Mir hat es einfach Spaß gemacht mich von Seite zu Seite zu lesen und habe das Buch wirklich ungerne zur Seite gelegt, wenn die Zeit zum lesen ausblieb.

Da es sich hier nicht um eine Reihe handelt ist die Geschichte in sich geschlossen, was ich bei diesem Buch sehr begrüßt habe. Es hatte mit seinen knapp 600 Seiten eine tolle Länge ohne Langweilig zu werden. Die Spannung war konstant da und trotzdem gab es ein wunderbares, sehr zum Buch passendes Ende.

Wer wie ich noch kein Buch der Autorin gelesen hat und auf düstere Geschichten voller Fantasie und Zauber steht, dem kann ich Scherben der Dunkelheit sehr ans Herz legen. Mich hat es restlos überzeugt und ich halte Ausschau nach weiteren Büchern aus der Feder Gesa Schwarz´.


Samstag, November 11

[Rezension] Victoria und Abdul von Shrabani Basu

[Anzeige enthält Werbelinks]

Taschenbuch: 448 Seiten
Verlag: Goldmann Verlag
Erscheinungstermin: 18. September 2017
ISBN-10: 3442159369





Ein Paar, das ungleicher kaum sein könnte: Judi Dench in der Rolle der Queen Victoria

Der stattliche, gut aussehende Abdul Karim war gerade vierundzwanzig Jahre alt, als er seine große Reise von Indien nach England antrat. Als Gesandter der indischen Kolonien kam er an den Königlichen Hof in London, um Ihrer Majestät Queen Victoria (Judi Dench), der Kaiserin von Indien, anlässlich ihres 50. Thronjubiläums (1887) im Haushalt zu dienen. Eine Begegnung mit dem jungen Muslim aus Agra, der Stadt des Taj Mahal, entflammte Victorias Neugier. Die auf die siebzig zugehende Monarchin erhob Abdul in den Stand des königlichen Lehrers und Sekretärs, es entwickelte sich eine intensive Freundschaft. Im Königshaus sorgte das für Spannungen, doch gegen alle Widerstände und Intrigen bestand die Queen darauf, sich auch auf Reisen stets von ihrem indischen Vertrauten begleiten zu lassen. Abdul sollte bis zu Victorias Tod nicht mehr von ihrer Seite weichen. Ein Skandal und zugleich eine zarte Liebesgeschichte.

Shrabani Basu, geboren in Kalkutta, studierte in Dehli Geschichte und arbeitete ab 1983 für The Times in Bombay. 1987 wechselte sie nach London als Auslandskorrespondentin u.a. für The Telegraph, Kalkutta. Die Journalistin und Historikerin ist Autorin mehrerer Bücher über die britisch-indische Geschichte. Shrabani Basu lebt mit ihren Töchtern in London.


Da es sich hier um die Ausgabe zum gleichnamigen Film handelt, zeigt das Cover des Taschenbuches eine Szene aus Victoria & Abdul. Beide gehen spazieren, im Hintergrund ein wunderschöner Garten und das Sonnenlicht. Beide schauen sich vertraut an, lächeln und sehen freundschaftlich entspannt aus. Ein wunderschön unaufgeregtes Bild, welches den Charakter des Buches gelungen darstellt.
Im Fokus des Buches steht die amtsmüde und von der Monotonie gelangweilte Königin Victoria. Anlässlich ihres 50. Thronjubiläums reist Abdul Karim aus Indien an, um der Königin am Hofe zu dienen.
Victoria, die ebenfalls Kaiserin von Indien ist sieht etwas in Karim, das sie fasziniert und so entwickelt sich entgegen aller Regeln, entgegen aller Einschränkungen, die der englische Hof mit sich bringt und entgegen all dem Missfallen eine tiefe Vertrautheit.

Ich habe die Wechselwirkung der beiden Charaktere enorm genossen. Victoria, die eher griesgrämig und unnahbar erscheint blüht in Karims Gegenwart richtig auf und findet auf überraschend natürliche Art und Weise wieder mehr zu sich selber. Sie findet Besonderheiten in ihrem Alltag und fängt an von einer Amtsinhaberin zu einer wahren Herrscherin zu werden, die es schafft über den Tellerrand des Protokolls hinauszuschauen.

Abdul Karim findet trotz des fremden Klimas und der strengen Regeln schnell Gefallen an der englischen Welt und vor allem an „seiner“ Königin, die ihn schnell aufsteigen lässt. Seine Meinung ist ihr sehr wichtig und er begleitet die Monarchin stets auf Reisen und ist ihr mit Rat und Tat zur Seite. Er entwickelt sich ebenso wie Victoria im Laufe der Geschichte weiter und bricht aus dem ihm vorbestimmten Weg aus.

Das Buch lebt von seinen Charakteren und von dem, wie sich die beiden Protagonisten ergänzen.
Ich habe hier keine künstlich herbeigeführten Spannungsmomente und Action vermisst, da die Zwischenmenschlichkeit und die indirekte Kritik an königlichen Vorgehensweisen für mich schon raumfüllend genug waren.

Auch Sprachlich bewegt sich Basu auf sicheren Pfaden. Ruhig und ohne große Ausreißer wird die Geschichte erzählt. Dabei ist der Schreibstil sehr angenehm und flüssig zu lesen und passt hervorragend zum ebenfalls unaufgeregtem Buch.

„Victoria und Abdul“ ist eine Geschichte, die durch ihre Charaktere und deren gegenseitige Wirkung aufeinander lebt. Hier passiert zwischenmenschlich so viel, das auch ohne herbeigeführte Spannung ein starkes, emotionales Leseerlebnis entstanden ist.


Sonntag, November 5

[Rezension] Memory Game - Erinnern ist tödlich von Felicia Yap

[Anzeige enthält Werbelinks]

Broschiert: 448 Seiten
Verlag: Penhaligon Verlag
Erscheinungstermin: 25. September 2017
ISBN-10: 3764531827


Wie findet man einen Mörder in einer Welt, in der es keine Erinnerungen gibt?

In Claires Welt gibt es zwei Arten von Menschen: solche, die wie sie sind und sich nur an die Ereignisse des vorangegangenen Tages erinnern können, und solche wie ihren Ehemann Mark, deren Gedächtnis zwei Tage zurückreicht. Claire hat nur eine Verbindung zu ihrer Vergangenheit: ihr Tagebuch. Was sie nicht rechtzeitig aufschreibt, geht für immer verloren. Eines Morgens steht die Polizei vor Claires Tür. Die Leiche einer Frau wurde im Fluss gefunden. Nach Aussage der Beamten war sie Marks Geliebte und er wird des Mordes verdächtigt. Sagt die Polizei die Wahrheit? Kann Claire ihrem Ehemann vertrauen? Und vor allem: Kann sie sich selbst vertrauen?

Felicia Yap wuchs in Kuala Lumpur auf, studierte Biochemie in London und erwarb ihren Doktor der Geschichte an der University of Cambridge. Sie arbeitete bereits als Biologin, Historikerin, Dozentin, Kritikerin und Journalistin, unter anderem für The Economist und Business Times. Sie lebt in London, wo sie vor kurzem ein Programm zu Kreativem Schreiben an der Faber Academy abschloss. Memory Game – Erinnern ist tödlich ist ihr Debüt.


Das Cover ist -zumindest in meinem Bücherregal- ein echter Hingucker, denn gelbe Buchrücken sieht man ehr weniger. Bis auf das leuchtende Gelb ist das komplette Titelbild in Grautönen gehalten, was einen tollen Effekt erziehlt.
Abgebildet ist ein See, in dessen Spiegelung man ein Mädchen sehen kann, das am oberen Bildrand zu stehen scheint. Die Farbe verläuft dabei nach oben hin.
Haptisch einen tollen Effekt bringt auch der Titel mit: Er ist gesandet und fühlt sich somit wirklich interessant an.

Der Gedanke sich nur einen Tag zurück erinnern zu können und den Schwierigkeiten, dem auf den Grund gehen zu können, was davor passiert ist war für mich ein äußerst spannender Gedanke.
Mit einem normalen Gedächtnis wachsen Kinder in der Welt auf, die die Autoin hier beschreibt. Doch als sie erwachsen werden entscheidet sich, ob sie zu den Monos oder den Duos gehören.
Monos wie Claire gehören zu eben jenen Menschen, die sich nur an den letzten Tag erinnern können. Im Gegensatz dazu gehört ihr Mann Mark zu den Duos, welche die Möglichkeit haben, zwei Tage lang zu wissen, was passiert ist.

Als die Polizei behauptet, die im Fluss gefundene Leiche sei die Geliebte von Claires Mann gewesen, fängt für sie das Rätselraten rund um sich, ihr Leben und ihre Ehe an.
Da jede Figur andere Erinnerungen an die letzten zwei Tage hat, wird die Geschichte aus unterschiedlichen Perspektiven erzählt. Allen voran aus der von Claire, die als Mono von der Gesellschaft und auch von ihrem Mann unterschätzt wird. Monos gelten als nicht so intelligent und gehören daher auch vermehrt der Arbeiterklasse an. Schade fand ich, das sie mir durch die komplette Geschichte nicht unbedingt sympathisch wurde.

Alle Menschen sind dazu angehalten ein Tagebuch zu führen, durch die man im Laufe des Buches einiges über Personen und Situationen erfahren kann. Diesen Weg fand ich ganz interessant gewählt, um Licht auf die Vergangenheit zu bringen.

Der Schreibstil war durchaus angenehm. Die Gegebenheiten werden gut erklärt, es entstanden keine Verständnisprobleme und man konnte die Geschichte gut weglesen. Wendungen, und kleine Überraschungen hier und da haben das Leseerlebnis für mich schön aufgelockert und interessant gestaltet. Lediglich im Ende hätte mir gefallen, wenn ein paar Kleinigkeiten noch mehr beleuchtet gewesen wären.
So ist es ein toller Thriller mit einem leicht holperigen Ende, der mir dennoch gut gefallen hat.

Eine interessante Idee mit passender Charaktergestaltung und einer schönen Portion Spannung. Bis auf Kleinigkeiten hat mich Memory Game gut unterhalten.


Montag, Oktober 30

[Aktion] Handlettering der Buchblogger

Anja von Nisnis Bücherliebe , Leni von Meine Welt voller Welten und Tanja von Der Duft von Büchern und Kaffee haben sich eine tolle Aktion einfallen lassen. Jeden Monat geben sie ein buchiges Thema vor, zu dem alle eingeladen sind ein Handlettering zu gestalten und es miteinander zu teilen. 

Das Thema diesen Monat:

Letter den Titel einer Buchreihe neu

 Ich habe mich für "Der goldene Kompass" entschieden. Warum? Weil mich der Schuber aus meinem Regal so anlächelt und mir ziemlich schnell eine Idee in den Kopf geschossen ist. 
Schnell hatte ich diese auch in die Tat umgesetzt, wobei mir dann der nicht so wirklich tolle goldene Stift, mit dem ich ein paar Highlights setzen wollte die restliche Farbe komplett versaut hat und ich alles noch einmal machen musste. Diesmal hat sich das Design dann auch noch ein wenig verändert hinsichtlich der Farbe. 

Meine Idee das "O" als Kompass darzustellen hat dank meiner Zeichenkünste nur mäßig funktioniert. Aber ich hoffe man kann es dennoch erkennen^^

Die Farben sollen ein wenig angelegt an die Grundfarbe Blau des Schubers  und an den Titel angepasst sein. Gelb ist zwar kein Gold, aber ok. Das denken wir uns einfach mal :-)

Habt ihr auch an dieser tollen Aktion teilgenommen? Dann würde ich mich über euren Link zum Beitrag freuen um euch einen Besuch abstatten zu können :-)


Donnerstag, Oktober 26

[Rezension] Handlettering. Die 33 schönsten Alphabete... von Norbert Pautner

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Broschiert: 80 Seiten
Verlag: Bassermann Verlag
Erscheinungstermin: 2. Oktober 2017
ISBN-10: 3809438030


Schöne Schrift kann jeder ...

... man muss nur wissen, wie es geht. In diesem Praxisbuch werden Buchstabe für Buchstabe die 33 schönsten Schriften vorgestellt. Dabei wird genau erklärt, wie man sie mit Stift, Pinsel und Kreide schreibt oder konstruiert. Zusätzlich werden viele Vorlagen für Rahmen, Ornamente und Bordüren angeboten. Dekorative Aufschriften auf Karten, Tafeln, Bildern oder Textilien gehen so mit ein wenig Übung ganz leicht von der Hand. Damit das Üben leicht fällt, gibt es gerasterte Seiten mit Hilfslinien zum Download auf der Website.

Norbert Pautner zeichnet und malt, seit er einen Stift halten kann. Nach einem Studium der Sinologie, Japanologie und Kunstgeschichte lebt und arbeitet er heute als selbstständiger Autor und Illustrator in Berlin. Er ist der festen Überzeugung, dass jeder kreativ ist, getreu dem Motto: „Zeichnen, Malen, Basteln: Wenn’s Spaß macht, kann’s jeder!“



Passend zum Thema des Buches ist auch das Cover gestaltet. Wie eine schön gestaltete Tafel, die mit allen Künsten und unterschiedlicher Kreide gelettert wurde. Obwohl es wirklich gelungen ist und mich anspricht muss man einfach sagen, das diese Art Cover für Handlettering-Bücher nichts ungewöhnliches ist und man zur Zeit wirklich häufig sieht.

Als kompletter Neuling, was das Handlettering angeht, habe ich mir die schönen Kunstwerke immer gerne angeschaut. Irgendwann kam auch in mir der Wunsch so etwas selber gestalten zu können. Aber wie fängt man etwas an, wenn man grundsätzlich über zwei linke Hände verfügt?

Als dieses 80 Seiten starke Buch bei mir angekommen ist hat mir sehr gefallen, das einige Grundsätze des Letterns kurz und knapp beleuchtet wurden, dies aber nicht zu viel Platz einnimmt.

Schon nach wenigen Seiten wird das Augenmerk voll auf die unterschiedlichen Alphabete gesetzt. Auf den Doppelseiten sieht man immer etwas Gelettertes mit dieser Schriftart, bevor kurz erklärt wird, worum es hier geht und worauf es ankommt. Es wird beschrieben wie man die Buchstaben am besten erstellen und wie man diese spezielle Art abändern kann, was zu einer Vielzahl weiterer Schriftarten führt, die sich auf diese Grundart stützen.

Gegenüberliegend findet man die einzelnen Buchstaben des Alphabets, oftmals in Klein- und Großschreibung, auf kariertem Untergrund, was das Vorzeichnen auf eigenem Papier sehr erleichtert, da man durch die Rasterlinien genau sehen kann, wann und wo sich welcher Strich in welche Richtung bewegt.
Das Buch bleibt bei seinen Vorlagen keineswegs einseitig. Mir gefällt die Diversität und das für jeden Geschmack etwas dabei ist. Ob es sich nun um einfache Blogschrift oder sehr geschwungene Schriften handelt, besonders für den Anfänger ist dies eine schöne Möglichkeit sich auszuprobieren und verschiedene Stile miteinander zu verbinden.

Auf den letzten Seiten des Buches befinden sich tolle Vorlagen für Banderolen, Schwünge, diverse Illustrationen und Rahmen um sein Kunstwerk noch weiter zu verschönern.

Ich habe mich direkt vom Buch eingeladen gefühlt und drauf los probiert. Dank der tollen Beschreibungen und schönen Vorlagen ist mir dies auch recht fix gelungen und da ich das Gefühl hatte auch mit zwei linken Händen etwas akzeptables aufs Papier zu bekommen habe ich jetzt ein neues Hobby, bei dem mich dieses Buch sicher noch eine Zeit lang begleiten wird und mir hilft, mich zu verbessern.

Ein tolles Handlettering-Buch, das auch für Einsteiger geeignet ist, da es viele wichtige Punkte gut erklärt ohne dabei zu viel Wert auf die Theorie zu legen. Jedes Alphabet ist gut erklärt, es werden Möglichkeiten zur Variation aufgezeigt und Schritt für Schritt erklärt.


Mittwoch, Oktober 25

[Rezension] Der Himmel über Quickborn von Kirstin Messerschmidt

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Taschenbuch: 396 Seiten
Verlag: CreateSpace Independent Publishing Platform
Erscheinungstermin: 7. September 2017
ISBN-10: 1548212741


Seit sie denken kann, leidet die 15-jährige Olivia „Liv“ Ballato an unkontrollierbaren Wutausbrüchen. Ihr Temperament macht sie zur Außenseiterin. Gegen die Einsamkeit unterhält Liv eine imaginäre Liebesbeziehung mit Rockstar Kurt Cobain. Als die Familie von der Großstadt ins dörfliche Quickborn umzieht, wird Livs Dasein schier unerträglich: Ein wütender Teenager zwischen Schweinebauern, Dorfnazis und neureichen Snobs. Und dann stirbt auch noch Kurt. Es gibt für Liv nur einen einzigen Grund, noch am Leben zu bleiben, ihren Lehrer Marc. Zwischen Liv und dem zwanzig Jahre älteren Mann entwickelt sich eine geheime Liebe.

Kirstin Messerschmidt, geb. 1981, ist in Schleswig-Holstein aufgewachsen und begann ihre berufliche Laufbahn in einem Rechtsanwaltsbüro. Im Alter von 20 Jahren verließ sie ihre geliebte Heimat und ging nach London, um dort für den Musiksender MTV zu arbeiten. Seit 2005 lebt sie in Berlin und ist Musikredakteurin für MTV und VIVA. Geschrieben hat sie schon immer, jedoch meistens unter Ausschluß der Öffentlichkeit. Beim ehemaligen Satiremagazin ZYN! ließ sie es zwar höchst öffentlich, aber leider unter falschem Namen krachen. Winterblut ist ihr erster Roman.



„Typisch 90er“ denkt man sich schmunzelnd, wenn man das Cover zu „Der Himmel über Quickborn“ betrachtet. Das Mädchen, das mit dem Rücken zum Betrachter auf der Motorhaube eines Autos sitzt trägt ein Oberteil eines Trainingsanzuges in hellblau, das so oder so ähnlich bestimmt viele im Kleiderschrank hatten. Im unteren Drittel ist auf blau unterlegtem Grund der weiße Titel zu finden. Alles in allem recht unaufgeregt, ein klein wenig altbacken vielleicht, versetzt aber direkt wieder in die 90er Jahre und ist damit absolut passend zum Buch.

Liv ist ein jugendliches Mädchen, das mitten in den Neunzigern aufwächst. Sie hat mit vielen Problemen zu kämpfen, die zum Teil auch stark über die eines normalen Teenagers hinaus gehen. Ihre Familie, insbesondere ihre Mutter macht ihr das Leben nicht grade einfach und so zieht sich die Heranwachsende immer mehr in sich und in ihre erfundene Liebe zu Kurt Cobain zurück. Nach außen reagiert sie mit Agression, was von ihrer Umwelt auch nicht grade positiv aufgenommen wird.
Mitten in dem ganzen Trubel zieht die Familie nach Quickborn, was für Liv einen Schulwechsel zur Folge hat. Wer selber mal an seine Schulzeit denkt oder eventuell selber einmal einen Schulwechsel durch Umzug hinter sich gebracht hat, weiß, dass das Mädchen um diese Erfahrung nicht unbedingt zu beneiden ist.

Liv selber ist ein toller Charakter. Sie ist taff und versucht sich trotz all der wideren Umstände in ihrer Familie ihren Weg zu bahnen. Das sie der Tod des geliebten Sängers völlig aus der Bahn wirft war zu erwarten. Nun fehlten die Tagträume, in die sie sich so gerne vor der Realität geflüchtet hatte. Ihr Lichtblick ist Lehrer Marc, mit dem sie recht schnell eine Beziehung hat. Moralisch komplett verwerflich aber für Liv eine Stütze in der Trauer um den Nirvana-Frontman.

Marc ist ein ehr unkonventioneller Lehrer, der -mal abgesehen davon, das er eine Beziehung mit einer minderjährigen Schülerin beginnt- keinen guten Einfluss auf das Mädchen hat und sich im Laufe der Geschichte auch nicht damit rühmen kann mehr Sympathie zu gewinnen.

Der Schreibstil den die Autorin an den Tag legt ist enorm angenehm. Sauber formuliert, ohne dabei auf typische Ausdrücke der Zeit zu verzichten. Die Situationen im Buch sind spannend geschrieben ohne dabei reißerisch oder wertend zu sein. Alles in allem eine gute Grundlage um für jedes Alter ansprechend zu sein. Ob man jetzt selber ein „Kind der Neunziger“ war oder nur die Geschichte rund um Liv und ihre Beziehung zu dem Lehrer dafür gesorgt haben, dieses Buch in die Hand zu nehmen, Messerschmidt wird allen gerecht.

Auf zwei der Charaktere bin ich ja schon näher eingegangen. Wie man schon an diesen beiden sehen kann, polarisieren auch die übrigen Personen in „Der Himmel über Quickborn“. Dabei sind sie so eingängig in ihrer Art, das man schon nach wenigen Seiten ein Gefühl für sie bekommt und sich schnell Sympathie oder Antipathie ausprägen. Schön finde ich, das gezeigt wird, das sich alle in ihrer Persönlichkeit entwickeln. Oftmals wird dieses Augenmerk lediglich auf den Protagonisten gelegt, während andere ehr starr bleiben. Hier ist es sehr authentisch dargestellt, wobei ich nicht jede Entwicklung gut heiße oder gar verstehe.

Obgleich das Buch mit 396 Seiten nicht extrem kurz ist, hätte ich mir an einigen Stellen gewünscht, das sich die Autorin ein wenig mehr Zeit lässt. Manches ist mir persönlich zu schnell gegangen und auch das Ende des Buches hätte mit der ein oder anderen Seite zum Ausdehnen vielleicht ein bisschen angenehmer daherkommen können. Was auf keinen Fall bedeuten soll, das es so wie es jetzt ist schlecht ist. Ich hätte nur gerne mehr von der Entwicklung erfahren.

Ein tolles Buch, das nur rein oberflächlich gesehen eine Geschichte über eine verbotene Liebe ist und die, bei näherer Betrachtung, viel mehr Themen behandelt als das offensichtliche Tabu. Von mir gibt es eine absolute Leseempfehlung und ich hoffe auf weitere Bücher aus der Feder Kirstin Messerschmidt´s.