Samstag, April 29

[Rezension] Vernunft und Gefühl von Jane Austen

[Anzeige enthält Werbelinks]

Gebundene Ausgabe: 416 Seiten
Verlag: Manesse Verlag
Erscheinungstermin: 13. März 2017

200. Todestag der Autorin am 18. Juli 2017

Jane Austen starb vor 200 Jahren, doch ihre Werke werden inniger geliebt denn je. Schließlich weiß bis heute niemand klüger über die komplizierten Herzensangelegenheiten zwischen Männern und Frauen zu schreiben als die scharfsinnige Britin. In ihrem Roman «Vernunft und Gefühl» verhandelt sie so unterhaltsam wie erhellend die Suche nach dem Menschen fürs Leben.

Temperamentvoll und leidenschaftlich, ist Marianne Dashwood das genaue Gegenteil ihrer älteren Schwester, der beherrschten und vernünftigen Elinor. Dass sich Marianne Hals über Kopf und natürlich unglücklich in den begehrten Frauenschwarm John Willoughby verliebt, erstaunt daher niemanden. Aber auch Elinor erlebt mit dem Mann ihres Herzens eine böse Überraschung, denn «ihr» Edward Ferrars hat einer anderen die Ehe versprochen. Gemeinsam lernen die ungleichen Schwestern mit ihrer Enttäuschung zu leben und nach einer dramatischen Zuspitzung der Ereignisse den Standpunkt der jeweils anderen besser zu verstehen. In der Neuübersetzung von Andrea Ott erstrahlen geschliffener Witz und lebendige Dialoge dieser beliebten Klassikerin in frischem Glanz.

Jane Austen (1775-1817) wurde in Steventon, Hampshire, geboren. Ihre literarische Welt war die des englischen Landadels, deren sorgsam kaschierte Abgründe sie mit feiner Ironie entlarvte. In Jane Austens Romanen spiegeln sich die gesellschaftlichen Verhältnisse ihrer Zeit in einzigartiger Klarheit. Eine Frau – ob adelig oder nicht – hatte nur sehr eingeschränkte Möglichkeiten, sich in Beruf oder gesellschaftlichem Engagement zu entfalten. Nur durch die Heirat mit einem reichen und weltoffenen Ehemann konnte sie eine gewisse Freiheit erlangen. In diese Zeit wurde Jane Austen am 16. Dezember 1775 geboren als siebtes von insgesamt acht Kindern eines englischen Pfarrers. Es war eine belesene und gebildete Familie, zwei ihrer Brüder brachten es gar zum Admiral. Ihr selbst hingegen gelang das Kunststück, ihre Verlobung einen Tag später wieder zu lösen und trotz schwerer Krankheit ein relativ unabhängiges Leben als unverheiratete Frau zu führen.

Das Cover zu Vernunft und Gefühl ist schlicht und dennoch wunderschön. Es zeigt eine in rosa gekleidete Frau in einem viktorianischen Kleid, stilecht mit Handschuhen, die bis über die Ellenbogen reichen und einem Hut nimmt sie eine damenhafte Pose direkt vor dem Fenster ein. Was leider auf Bildern nicht einzufangen ist, ist der Perlmutt wirkende Schimmer, welcher den Einband nahezu erstrahlen lässt, wenn Licht auf ihn trifft.


Es ist schon eine längere Zeit her, das ich Vernunft und Gefühl gelesen habe und ich fühlte mich auch dieses Mal wieder wie beim ersten Mal, als ich das Buch zur Hand nahm.
Ein wenig Ehrfürchtig und voller Vorfreude auf die Geschichte von Marianne und Elinor Dashwood, zwei Schwestern, die unterschiedlicher nicht sein könnten und doch beide eine Zeit durchleben, in der ihnen das Herz gebrochen wird und sie ihren Platz in einer Welt finden müssen, die von Etikette, Erwartungshaltung und Konventionen geprägt ist.

Marianne ist die impulsivere der Schwestern. Sie hört auf ihr Herz und ist eine Verfechterin davon, Emotionen zu zeigen und sie auszuleben. Das klingt aus heutiger Sicht nicht verwerflich, doch zu Zeiten Jane Austens ist Marianne wie ein Mädchen, das sich Hals über Kopf in eine Affäre mit einem fremden Biker stürzt.
Nachvollziehbar also, das ihre ältere Schwester Elinor ihr ins Gewissen redet, denn sie ist in Liebesdingen der absolute Gegenpol zu Marianne. Sie ist besonnen, ehr zurückhaltend und vorsichtig, versucht mit Verstand und Anmut den Mann ihres Herzens für sich zu gewinnen.

Auch die übrigen Charaktere aus Verstand und Gefühl sind mit viel Sorgfalt und Sinn für Authentizität beschrieben. Sie haben die unterschiedlichsten Züge an sich, die eine Vielzahl menschlicher Charakteristika abdecken: Egoismus und Hinterhalt finden ebenso ihren Platz in der Geschichte wie Fürsorge und Selbstlosigkeit. Leidenschaft und Ergeiz findet man direkt neben Trauer und Verzweiflung. Jane Austen zeigt auf, das ihre Zeit weder ruhig noch unterkühlt ist und das jeder mit seinen inneren Dämonen zurecht kommen muss.

Den Schreibstil, den man in Austens Büchern findet ist großartig. Das sie so viel Witz und Ironie in ihre Romane bringt ist wunderbar und machen ihre Werke auch heute noch sehr gut lesbar. Vernunft und Gefühl war ihr erstes Werk und man merkt ihm zu keiner Zeit unausgereifte Dialoge oder Längen an. Ganz flüssig liest man sich durch die Seiten, hofft und bangt mit den Protagonisten und leidet, wenn ihnen das Herz bricht.

Wer noch nie ein Buch von Jane Austen gelesen hat, der hat etwas verpasst. Habt keine Angst vor Klassikern sondern versucht es einfach. Verstand und Gefühl ist kein verstaubter Roman einer alten Frau. Die Autorin beschreibt zeitlose Probleme mit authentischen Charakteren. Liebe und Herzschmerz und damit verbundene Arten mit diesen Gefühlen umzugehen finden sich zu jeder Zeit. Witz und Charme machen die Thematik damit nicht prüde oder trocken sondern humorvoll und intelligent.


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen