Dienstag, April 25

[Rezension] Gymnasium von Susanne Giebeler

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Taschenbuch: 292 Seiten
Verlag: tredition
Erscheinungstermin: 7. März 2017
ISBN-10: 3734582156



Alex kämpft um seine Familie, Kampfarena ist seine neue Schule. Alex denkt, wenn er es hier schafft, werden seine Eltern aufhören, sich wegen seiner schlechten Noten gegenseitig fertigzumachen. Am Gymnasium aber ringt die akademische Mittelschicht um ihren Status, schickt ihre Kinder ins Rennen … »Hanne Christ liebte ihr Kind und Birgit liebte ihres. Alle liebten ihre Kinder und wollten sie vor dem Niedergang bewahren, vor einem Dasein als Klempner, als Krankenschwester oder kaufmännische Angestellte.« Ein Schulroman voller wunderbar böser Beobachtungen. Eine Geschichte über erschöpfte Schüler, verzweifelte Mütter und ratlose Lehrer.


Susanne Giebeler lebt seit 1980 in Bochum und unterrichtet an einem Weiterbildungskolleg. Sie arbeitete fürs Theater und bekam Drehbuchförderungen der Filmstiftung NRW. Ihr Theaterstück »Die Stalingrad-Madonna« erschien im Litag-Verlag.




Auf dem weißen Buch ist eine Löwenstatue abgebildet, auf der man Blutspritzer sehen kann. Auf dem Sockel der Statue befindet sich ebenfalls in weiß der Buchtitel sowie der Name der Autorin.
Es wirkt sehr einfach gehalten und schmucklos und hätte im Buchladen ohne Vorkenntnisse über den Inhalt ehr weniger meine Aufmerksamkeit erregt.




Neue Schule, neue Perspektive denkt sich Alex, als er nach der Trennung seiner Eltern auf das Goethe-Gymnasium wechselt. Das angesehene Institut erweist sich jedoch nicht lange als reine Lehrstätte für den Jungen. Schnell merkt er, das dort nicht nur mit Ellenbogen sondern mit Intrigen und Machtdemonstrationen zu geht und er sich nicht nur gegen andere Schüler sondern auch gegen deren Eltern und auch die Lehrer durchsetzen muss.

Alex, der bei seinen Eltern nicht viel Unterstützung erwarten kann wird mit Mädchen wie Leonie konfrontiert, die voll auf den Einfluss ihrer Eltern setzt und die Macht, die ihr ihr Elternhaus bietet demonstrativ ausleben.
Aus der Sicht eines allwissenden Erzählers werden zwar einige Charaktere beleuchtet und man erfährt einiges über die Familienverhältnisse Alex´, jedoch blieb mir auch der Protagonist so ein wenig fremd, was ein Mitfühlen mit ihm komplett veränderte. Ich habe mich weniger in den Charakter hineinversetzen können, mich dafür aber in der Rolle des „Zuschauers“ wiedergefunden. Als jemand, der am Rand steht und außer Stande ist an dieser Situation etwas zu ändern, was beim lesen seine ganz eigene Dynamik bekommen hat. Ich wusste, ich kann nicht eingreifen habe mir aber sehnlichst jemanden gewünscht, der bei der ein oder anderen Mobbing-Situation schlichtend auf die Jugendlichen einwirkt.

Gelungen empfand ich ebenfalls, das hier nicht nur der Schulalltag der Schüler beleuchtet wurde sondern ebenso die jeweiligen Eltern und die Lehrer. Der Leistungsdruck der Schüler, der Wille der Eltern, wirklich alles dafür zu tun, das ihr Kind bestmöglich behandelt wird und den Druck der Lehrer ihrem Lehrauftrag und den Eltern gerecht zu werden und dabei zur Aufgabe gezwungen werden. Die Vielzahl von unterschiedlichen Einflüssen auf die Geschichte machte es für mich lesenswert.

Giebeler´s Schreibstil trägt super durch das Buch und ist sehr passend. Sie verzichtet auf überschwingliche Emotionsausbrüche und macht die Geschichte damit realitätsnah und authentisch. Mir gefällt, das man hier deutlich merken kann, das ein Buch nicht übertrieben dramatisch und schockierend sein muss, um im Gedächtnis zu bleiben. Manchmal reicht es auch, ein starkes Thema gut zu erzählen.



Dieses Buch wirkt unscheinbar und birgt enorm viel in sich, das es zu erkunden lohnt. Von mir eine klare Leseempfehlung.




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