Sonntag, September 25

[Rezension] Im Hause Longbourn von Jo Baker

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Gebundene Ausgabe: 448 Seiten
Verlag: Albrecht Knaus Verlag
Erscheinungstermin: 8. September 2014
ISBN-10: 3813506169


Ein Millionenpublikum liebt Jane Austens „Stolz und Vorurteil“, ihren berühmten Roman über die Sorgen der Familie Bennet, für die fünf Töchter geeignete Ehemänner zu finden. Doch niemand weiß, was sich in Küche und Stall des Hauses Longbourn abspielt: Hier müht sich die junge Sarah über Wäschebottichen und Töpfen ab. Aber sie hat die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass das Leben mehr für sie bereithält. Ist die Ankunft des neuen Hausdieners James ein Zeichen? Während Elizabeth Bennet und Mr Darcy von einem Missverständnis ins nächste stolpern, nimmt im Hause Longbourn noch ein ganz anderes Liebesdrama seinen Lauf – denn James hütet ein Geheimnis von großer Sprengkraft.


Jo Baker erzählt Jane Austens bekanntesten Roman von einer ganz anderen Seite: der der Dienstboten. Und zeigt, dass deren Dramen jenen der Herrschaften in nichts nachstehen.

Autor
Jo Baker wurde in Lancashire geboren und studierte an der Oxford University und der Queen’s University in Belfast, wo sie ihre Leidenschaft fürs Schreiben entdeckte. Seither veröffentlichte sie fünf Romane, die ihr in der Presse viel Lob einbrachten. Mit "Im Hause Longbourn" gelang ihr der internationale Durchbruch. Jo Baker lebt mit ihrer Familie in Lancaster.



Das Cover vermittelt mit seinem 19-Jahrhundert-Charme einen guten Eindruck von dem Inhalt des Buches. Die wohlhabende Frau kehrt dem Leser den Rücken zu, während man direkt auf das Dienstmädchen blickt, das im Dunklen in der Tür steht. Allgemein ist es unaufgeregt, doch man fühlt sich direkt in die Zeit versetzt und hat Lust das Buch zu lesen.


Die Idee, Austen´s „Stolz und Vorurteil“ aus der Sicht der Dienerschaft zu erzählen fand ich großartig. Normalerweise bin ich kein Freund davon, die gleiche Story noch einmal aus anderer Sicht zu lesen, aber in diesem Falle dachte ich, könnten allein durch den gesellschaftlichen Unterschied der Erzählweise tolle neue Eindrücke entstehen. Nicht zuletzt, weil ich eben diesen Unterschied in der Serie „Downton Abbey“ sehr geschätzt und mir hier etwas ähnliches erhofft habe.

Ich wurde nicht enttäuscht. Man erlebt hier nicht den schnöden Abklatsch der selben Geschichte, sondern erlebt die Zeit,durchzogen mit eigenen Problemen, Höhen und Tiefen neuer Charaktere auf eine ganz neue Art und Weise. Durch den Arbeitsalltag im Hause bekommen die Angestellten und somit auch der Leser viel von den Herrschaften, also den Bennets, mit. Sie lernen mit ihren Befindlichkeiten umzugehen und als Leser spickt man so immer wieder auf „Stolz und Vorurteil“ und zieht zeitliche Parallelen, was ich als sehr interessant empfunden habe.

Man lernt deutlich die Kehrseite der schönen, heilen Welt, wie sie in Büchern und Verfilmungen der Gesellschaft zumeist dargestellt wird, kennen. Wie viel Arbeit es für das Personal eines solchen Hauses war alles aufrecht zu halten. Ungeschönt werden Themen wie blutige oder verbrannte Hände, Dreck und Gestank sowie der lange Arbeitsalltag thematisiert und lassen das Buch sehr plastisch und authentisch wirken.

Mit viel Gefühl für die emotionale Darstellung wird das Leben des Hausmädchens Sarah beleuchtet. Ein unverheiratetes, junges Mädchen, das in diese gesellschaftliche Ebene hineingeboren ist und sich aufgrund ihrer Intelligenz erhofft aus diesem Kreis der harten körperlichen Arbeit und der Monotonie auszubrechen.

Auch was Schreibstil und Wortwahl Baker´s angeht, fehlt mir nichts, um mich in die damalige Zeit hineinversetzen zu können.
Als Leser fühlt man sich wohl und gut aufgehoben, da hier nicht mit hochgestochenen oder aufgesetzt wirkender Wortwahl um sich geworfen wird. Es wirkt echt und lebendig – was viel Freude beim lesen vermittelt.



Für mich ist die Idee des Buches „Im Hause Longbourn“ eine grandiose Erweiterung von „Stolz und Vorurteil“, die nahtlos und ohne sich gegenseitig in die Quere zu kommen aufeinander abgestimmt sind.


Kommentare:

  1. Huhu,

    eine sehr schöne Rezension. Ich habe das Buch auch gelesen und fand es toll. Es wirkt wirklich authentisch und zeigt die andere Seite des damaligen Lebens. Einzig das Geheimnis von Mr. Bennet konnte ich nicht wirklich mit dem Mr. Bennet aus dem Originalwerk verbinden.

    Lieben Gruß
    Isbel

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  2. Hallo Stefanie
    mir gefiel das Buch auch. Aber - die bekannte Vorlage macht den Roman von Jo Baker aussergewöhnlich. Sonst wäre es sicherlich nur ein durchschnittlicher, aber gut zu lesender historischer Roman.

    Liebe Grüsse
    Anya

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