Dienstag, Juli 25

[Rezension] Dunkles Omen von Kelley Armstrong



Taschenbuch: 592 Seiten
Verlag: Heyne Verlag
Erscheinungstermin: 13. Juni 2017
ISBN-10: 3453318579




Olivia Taylor-Jones führt ein Leben wie aus dem Märchen: Sie ist schön, sie ist reich und sie steht kurz vor ihrer Hochzeit mit einem aufstrebenden jungen Politiker. Doch dann zerbricht ihre heile Welt in tausend Scherben, als sie durch einen Zeitungsartikel in der Boulevardpresse erfährt, dass sie adoptiert wurde und ihre leiblichen Eltern wegen mehrfachen Mordes im Gefängnis sitzen. Um die Wahrheit über ihre Familie herauszufinden, reist Olivia in den Heimatort ihrer Eltern – nach Cainsville. Doch in dem hübschen kleinen Städtchen sind die Dinge so gar nicht, wie sie zu sein scheinen …

Kelley Armstrong wurde in Sudbury, Kanada, geboren. Sie studierte Psychologie an der University of Western Ontario und Informatik am Fanshawe College. Weil sie schon als Kind schreiben wollte, wandte sie sich bereits während ihres Studiums der Schriftstellerei zu. Heute ist Kelley Armstrong eine erfolgreiche Autorin, deren magische Thriller New York Times-Bestseller sind. Sie lebt mit ihrem Mann und ihren Kindern in Ontario, Kanada.



Hände hoch, wer bei diesem Cover auch direkt bei Thriller ist. Die schwarze Wolkendecke im Hintergrund wird nur durch einen kleinen Lichtreflex aufgehellt. Davor sieht man auf einem toten Ast eine Krähe oder einen Raben sitzen. Ins Auge sticht dann der in großen, grünen Lettern gehaltene Buchtitel. Mit diesem Cover bin ich zumindest schon vor dem Aufschlagen des Buches in düsterer Stimmung.

Auf der Suche nach einem vielversprechenden Thriller bin ich über „Dunkles Omen“ gestolpert. Das Cover hat mich direkt gepackt und der Klappentext lies auch vermuten, Spannung und Nervenkitzel zu finden.

Schon vom Prolog an gefiel mir der Schreibstil der Autorin. Er ist leicht zugänglich, spannend und detailliert. Ich konnte allem gut folgen, bin trotz vieler Einzelheiten gut vorangekommen.

Anfangs lernt man die Protagonistin Olivia kennen, die wohlbehütet von ihren Eltern aufwächst und alles hat, was man sich nur wünschen kann. Für die junge Frau ändert sich schlagartig alles, als sie erfährt wer sie und vor allem wer ihre Eltern wirklich sind. Getrieben von Neugier und dem Drang mehr über sich und die Menschen zu erfahren, bei der sie aufgewachsen ist reist sie nach Cainsville um die Geheimnisse um die Morde aufzuklären.
Olivia gefällt mir als Protagonistin gut, sie ist klug, neugierig und hat einen gewissen Eigensinn, den ich sehr an ihr schätze. Trotz der Grundsympathie zu ihr finde ich sie entwickelt sich im Laufe des Buches gut weiter und wirkt geerdeter.
Den größten Teil der Geschichte erlebt man aus ihrer Sicht, wobei man mit ihr feststellt das Cainsville mehr Mystik und Übersinnliches bereit hält, als man zu Anfang dachte. Wie Olivia habe ich das zwar nicht erwartet, und so wie sie recht schnell zurecht kam und Zeichen zu deuten lernte, gefiel mir der Spagat zwischen Thriller und Mystery zunehmend.

Auch aus der Sicht verschiedener Bewohner der Stadt werden Teile des Buches erzählt. Diese sind zwar nicht so ausschweifend, das man viel über einzelne Personen lernt oder gar hinter die Geheimnisse Cainsvilles kommt, allerdings vermittelt es einen Gesamteindruck der Bewohner und man versucht ebenfalls mit deren Eigenheiten umzugehen.
Diese unterschiedlichen Sichten sorgen dafür, das man als Leser von Zeit zu Zeit ein wenig mehr weiß als Olivia. Jedoch wird nicht so viel vorweg genommen, das der Spannungsbogen absacken könnte oder man das Bedürfnis hat, das Buch beiseite zu legen.

Kelley Armstrong schafft mit „Dunkles Omen“ den Spagat zwischen Thriller und Mystery. Mit einem geheimnisvollen Ort, einer authentischen Protagonistin und einem genialen Schreibstil hat sie mich an die Geschichte gefesselt und neugierig auf weitere Bände gemacht.

Montag, Juli 24

[Rezension] Ein Kuss aus Sternenstaub von Jessica Khoury



Taschenbuch: 448 Seiten
Verlag: cbj
Erscheinungstermin: 10. Juli 2017
ISBN-10: 357040353X
Vom Hersteller empfohlenes Alter: Ab 12 Jahren


»Er ist die Sonne und ich bin der Mond.«

Sie ist die mächtigste aller Dschinnys. Er ist ein gewitzter Dieb. Gemeinsam sind sie unschlagbar. Doch zunächst sind sie ein Dreamteam wider Willen, denn er möchte alles aus seinen drei Wünschen rausholen, sie schnellstmöglich ihre Freiheit zurückgewinnen. Aber nach und nach erkennen die beiden, dass alles Glück dieser Welt bereits an ihrer Seite ist. Doch wenn eine Dschinny und ein Mensch sich verlieben, erwartet sie beide der Tod. Also müssen die beiden, um ihr Glück und die Freiheit zu gewinnen, alle Regeln brechen.
Jessica Khoury ist syrisch-schottischer Abstammung und wollte schon als kleines Mädchen nichts lieber, als mal Autorin zu werden. Inzwischen hat sie ihr Ziel erreicht und widmet sich ausschließlich dem Schreiben. Sie lebt zusammen mit ihrem Mann und ihren beiden Hunden umgeben von massenhaft Büchern und schönen Schuhen in South Carolina.

Gabriele Haefs (Übersetzerin)
Dr. Gabriele Haefs studierte in Bonn und Hamburg Sprachwissenschaft. Seit 25 Jahren übersetzt sie u.a. aus dem Dänischen, Englischen, Niederländischen und Walisischen. Sie wurde dafür u.a. mit dem Gustav- Heinemann-Friedenspreis und dem Deutschen Jugendliteraturpreis ausgezeichnet, zuletzt 2008 mit dem Sonderpreis für ihr übersetzerisches Gesamtwerk. Sie hat u.a. Werke von Jostein Gaarder, Håkan Nesser und Anne Holt übersetzt. Zusammen mit Dagmar Mißfeldt und Christel Hildebrandt hat sie schon mehrere Anthologien skandinavischer Schriftsteller herausgegeben.


Mit dem Sternenhimmel als Hintergrund erscheint die goldene, geschwungene Schrift, die man für den Titel gewählt hat sehr stimmig. Erst beim zweiten Hinsehen ist mir das Gesicht eines Mädchens aufgefallen,das in der oberen Hälfte angedeutet wird.

Geschichten, die orientalisch angehaucht sind und einen Hauch von 1001 Nacht versprühen haben im Moment einen besonderen Reiz für mich. Klar, das mich dieser Klappentext sofort in seinen Bann zog.
Aus der Sicht von Zahra erleben wir das Leben einer Dschinny, eines weiblichen Dschinn. Allein dies empfand ich als lesenswert, denn sonstige Geschichten, in denen ein Dschinn vorkommt kenne ich nur mit männlichen Charakteren.
Als starke und selbstbewusste Person auftretend versteht sie es ihre Besitzer so um den Finger zu wickeln, das diese viel mehr ihren Wünschen gehorchen. Dabei ist sie keineswegs grausam oder gar nur auf ihren eigenen Vorteil bedacht, viel mehr versteht sie es sich nicht als schwacher Diener zu sehen und sich selbst nicht zu vergessen. Sie ist ein wunderbar vielschichtiger Charakter, mit dem es Freude macht die Geschichte zu erleben.
Von sich selber hat Zahra aber eine ganz eigene Meinung. Sie hält sich für böse und schlecht, was mich als Leser sehr bewegt hat, denn an vielen Stellen lässt sie den Schmerz der Vergangenheit durchscheinen, der sie geprägt hat und noch immer begleitet.
Nachdem sie sich vor mehreren Jahrhunderten in einen Menschen verliebt hatte und zur Strafe verbannt wurde, wird sie nun das erste Mal aus ihrer Lampe beschworen. Diesmal soll es ihr nun gelingen eine Möglichkeit zu finden, nicht länger als Diener Wünsche zu erfüllen.
Aladdin ist ein Dieb, der ebenfalls geprägt von seiner Vergangenheit, versucht das bestmögliche aus seinen drei Wünschen herauszuholen. Seine Rache am König für den Mord seiner Eltern steht für ihn an oberster Stelle und mir Zahra scheint dieses Ziel nun endlich in greifbarer Nähe.

Auch wenn beide Charaktere sehr unterschiedlich sind, entdecken sie bald ihre Gefühle füreinander. Was sich anhört wie ein Happyend, ist aber erst der Anfang, denn eine Liebe zwischen Mensch und Dschinn darf nicht sein und wird hart bestraft.

Den Schreibstil von Jessica Khoury habe ich sehr genossen. Sie schreibt poetisch und schwungvoll, ohne dabei zu sehr ins kitschige oder klischeehafte abzudriften. Genau richtig für diese Geschichte schafft sie eine emotionsgeladene Atmosphäre, bei der so viele unterschiedliche Ebenen mitschwingen, das es einfach Spaß macht sich in ihr aufzuhalten.
Detailreich aber mit genug Platz für eigene Interpretationen zeichnet sie ihre Welt und bevölkert sie mit Charakteren, die farbenfroh und plastisch wirken. Sie haben eine Vergangenheit, die sie ausmacht und die sie in ihrem Handeln authentisch und nachvollziehbar macht.
Die Autorin versteht es, dieses Handeln spannend und ohne Längen zu erzählen und hat mich damit von der ersten bis zur letzten Seite hervorragend unterhalten.
Ein Kuss aus Sternenstaub ist für mich ein rundum gelungenes Buch. Von der Covergestaltung, über das Setting und die Story bis zu den Charakteren bietet es einfach Lesespaß, in den man sich fallen lassen möchte bis man den warmen Sand unter den Füßen spürt.


Freitag, Juli 21

[Rezension] Let´s go Hellas von Georg Petras



Gebundene Ausgabe: 144 Seiten
Verlag: Verlag der Griechenland Zeitung - Hellasproducts GmbH
Erscheinungstermin: 14. April 2017
ISBN-10: 399021019X




Griechenland bietet viele Chancen – auch in der Krise. Das ist das Fazit des Autors Georg Petras. Er hat so wie viele Unternehmer-Kollegen aus ganz unterschiedlichen Branchen die Ärmel hochgekrempelt und immer weiter gemacht. Mit Hilfe seiner Lebensgeschichte erfährt man Vieles über Griechenland, die Sonneninsel Rhodos und über die vergangenen sieben Jahre der Krise in einer Region, die zu den schönsten weltweit gehört. Als Deutscher in Griechenland und als Grieche in Deutschland führt Petras ein „Doppelleben“, das es ihm erlaubt, die Ereignisse objektiv zu schildern. In seiner Geschichte geht es um Menschen und um zum Teil dramatische Ereignisse. Aber die Botschaften, die über seinen Werdegang in Stakkato-Manier vermittelt werden, sind eindeutig: Niemals aufgeben! Und: Griechenland hat enormes Potenzial! Let`s go Hellas!

Georg Petras wurde in der Nähe von Stuttgart geboren. Trotzdem ist Petras ein Sohn der Insel Rhodos, denn sein Vater stammt von dort. Petras Senior wanderte in den Sechzigerjahren nach Deutschland aus und arbeitete im Maschinenbau. Georg Petras wuchs als Kind geschiedener Eltern in Stuttgart auf. Deutsch und Griechisch sind seine Muttersprachen. Bereits in jungen Jahren lernte er, selbstständig zu sein. Er wuchs bei seinem in Vollzeit berufstätigen Vater auf. Zuerst begann Georg Petras eine Ausbildung zum Hotelfachmann, fühlte sich damit aber nicht ausgelastet. Nach Schule und Ausbildung wollte er bereits etwas Eigenes auf die Beine stellen. 1993 war es so weit: Mit seinen ersten Ersparnissen mietete er den ersten Transporter und wurde als Selbstfahrer sein eigener Chef. Nach Insolvenz seines Auftraggebers im Jahre 1998 entschied sich Petras, trotz hohem Risiko und herber Verluste, auf „alles oder nichts“ zu setzen und hob ein Logistikunternehmen aus der Taufe. Das Unternehmen wurde mehrfach prämiert.
2008 verkaufte Petras das Unternehmen an einen französischen, international tätigen Konzern. Petras blieb als Geschäftsführer noch ein Jahr im Unternehmen. Doch er hatte bereits eine neue Idee: 2009 erwirbt er die Engel & Völkers-Lizenzen für den Bereich Dodekanes. Dazu gehören Rhodos, Symi, Kos und weitere kleinere Inseln. 2010 eröffnet er sein Engel & Völkers-Büro in Rhodos Stadt. Petras ist verheiratet und wohnt mit seiner Frau, seinem Sohn und seinem Hund in Stuttgart und auf Rhodos.



Strahlend blauer Himmel, davor ein Gemäuer und ein Mann, der sein Jackett über die Schulter geworfen an seinem Betrachter vorbei geht. Es ist sehr ruhig und unaufgeregt, so dass das Buch einen sehr sachlichen Charakter erhält.


In „Let´s go Hellas“ lernt der Leser Georg Petras kennen. Petras ist ein in Deutschland sehr erfolgreicher Unternehmer, der in der größten Krise Griechenlands ausgerechnet dort ein Maklerbüro eröffnet.
Er hat einen besonderen Blick auf die Beziehungen zwischen Griechenland und der EU und gibt seine Erfahrungen und Probleme sowohl auf unternehmerischer als auch privater Ebene weiter.
Was sich vielleicht anhört, wie eine Situation zwischen den Stühlen ist hier eine enorm detaillierte Darstellung aller beteiligten Seiten.

Mit Petras erlebt man die Krise aus erster Hand, hautnah und bekommt ein Gespür dafür, wie es für die Menschen, die sich mit allem auseinandersetzen mussten, war diese Zeit zu erleben.

Mit guter Balance zwischen Empfindungen und belegbaren Fakten schrieb der Autor ein gut lesbares Buch, dessen Schreibstil angenehm ist und für viele wohl auch einiges an Informationen bereit hält, die man so nicht vor Augen hatte.

Dieses Buch ist keine Faktensammlung und keine Fiktion – sie ist ein gut geschriebener Erfahrungsbericht mit vielen Eindrücken, die über TV oder Radio nicht transportiert wurden.


[Rezension] Sonne, Schüsse und Souvlaki von Ingrid Schmitz



Gebundene Ausgabe: 264 Seiten
Verlag: Verlag der Griechenland Zeitung - Hellasproducts GmbH
Erscheinungstermin: 14. April 2017
ISBN-10: 3990210203


Griechenland ist immer schön, aber immer auch spannend und „schmackhaft“. Das beweist diese Anthologie mit 16 Kurzkrimis, die mit 16 köstlichen Rezepten garniert sind. Mal spielen die Geschichten auf Antiparos, mal auf Kos, mal auf Paros. Subtil, spannend, ketzerisch und unterhaltsam widmen sich die Autorinnen und Autoren u. a. den Themen Liebe, Politik, Verbrechen, Leidenschaft oder Verrat. Spielerisch weben sie so manch interessante Facette der griechischen Gegenwart, Vergangenheit sowie der Mentalität in die Krimis ein. Jeder einzelne davon ist ein delikater Happen für Gourmets dieses Genres.

Ingrid Schmitz wurde 1955 in Düsseldorf geboren. Sie arbeitete als Speditionskauffrau bei einer kanadischen Reederei und später im sowjetischen Außenhandel. Seit 2000 ist sie jedoch hauptberufliche Autorin. Es begann mit Kurzkrimis. Von den rund 60 Geschichten gibt es eine Auswahl in dem Krimiband „Kurz und kriminell“. Zwischendurch folgten eine Biografie, immer wieder Kriminalromane mit ihrer Serienfigur Mia Magaloff, zuletzt „Spiekerooger Utkieker“, und die Herausgabe von sechzehn Kriminalanthologien, darunter kulinarische Anthologien, so wie diese hier. Ingrid Schmitz ist Mitglied bei „Mörderische Schwestern“, „Syndikat“ und bei der „International Association of Crime Writers“.



Ein kleines Detail ausgenommen versprüht dieses Cover richtig Urlaubsfeeling. Im Hintergrund sieht man die untergehende Sonne, die den Himmel über dem Meer in leuchtendes Orange hüllt. Davor einen Tisch, Ouzo und eine Pistole, aus deren Lauf noch Qualm hochsteigt. Zugegeben letzteres passt nicht ganz in die Urlaubsatmosphäre, zum Buchtitel passt es aber allemal.

Ingrid Schmitz war mir vorher als Herausgeberin nicht bekannt, dennoch fand ich das Konzept „Kulinarische Krimis aus Griechenland garniert mit 16 Kochrezepten“ ansprechend und so lies ich mich in dieses Buch ziehen.

Die Geschichten selber sind von unterschiedlichen Autoren -dabei eine von Ingrid Schmitz selber- geschrieben und man merkt die Liebe zum Detail, die jeder Autor in seine Kurzgeschichte gelegt hat. Sie nehmen ihre Leser jeweils in einen anderen griechischen Ort mit und erkunden mit ihnen Land und Leute. Es macht Freude die verschiedenen Herangehensweisen und Charaktere kennen zu lernen obgleich die Seitenstärke der Kurzgeschichten es nicht hergibt jeden Charakter stark zu beleuchten hat jeder Autor ein gutes Gespür dafür besondere Aspekte und Züge ins rechte Licht zu setzen.
Auf die einzelnen Krimis selber möchte ich nicht genauer eingehen, da für mich jeder Autor mit seinen „Häppchen“ zum großen Ganzen beigetragen hat und das Buch für mich wirklich gelungen ist.
Natürlich hat jeder Autor seinen eigenen Stil, seine eigene Story aber keiner sticht hier für mich negativ hervor.
Auch die passenden Rezepte könnten unterschiedlicher nicht sein, so findet sich unter anderem ein Cocktailrezept, Nachspeisen und Hauptspeisen. Für jeden Geschmack ist -sowohl was die Geschichten als auch die Speisen angeht- etwas dabei.
Und obwohl mich nicht alle umgehauen haben, machen einige Rezepte Lust sie nachzukochen.

Sonne, Schüsse und Souvlaki ist eine herrliche Sammlung Kurzkrimis mit passenden Rezepten, die mich in Urlaubsstimmung gebracht haben. Die Geschichten bringen Spannung und die Rezepte runden das Griechenland-Erlebnis perfekt ab. Bei Fernweh und kulinarischer Experimentierfreude kann ich dieses Buch wärmstens empfehlen.


Sonntag, Juli 16

[Hörbuchrezension] Das Herz der verlorenen Dinge von Tad Williams



MP3 CD Laufzeit: 8h 58
Verlag: der Hörverlag
Auflage: Ungekürzte Lesung
Erscheinungsdatum: 22. Mai 2017
ISBN-10: 3844525696

Neues aus der Welt der Großen Schwerter

Osten Ard steht erneut am Scheideweg. Die Nornen bereiten sich darauf vor, das Land, das einst ihnen gehörte, zurückzuerobern. König Simons und Herzog Isgrimnurs Kriegern gelingt es, das Elbenvolk zurück in seine Hochburg in den Bergen zu drängen. Der Krieg scheint vorbei, aber das Töten dauert an. Die Sterblichen begnügen sich nicht mit ihrem Sieg: Sie trachten danach, das Volk der Nornen gänzlich auszulöschen. Da verbreitet sich die Kunde, die uralte Nornenkönigin Utuk‘ku sei gar nicht tot, sondern liege nur in einem todesähnlichen Schlaf, von dem sie zurückkehren werde.

Tad Williams wurde 1957 in San José (Kalifornien) geboren, studierte in Berkeley, war Sänger der Rockband Idiot, war in einer Computerfirma und als Lehrer, Manager eines Finanzinstituts, am Theater, als Schuhverkäufer und Versicherungsvertreter tätig. Er moderierte zehn Jahre lang eine Radio-Show und arbeitete an dem ersten komplett interaktiv funktionierenden Fernsehprogramm mit. Als Autor wurde er durch seinen Zyklus "Das Geheimnis der großen Schwerter" rund um das phantastische Land Osten Ard bekannt. Seine "Otherland"-Tetralogie wurde weltweit veröffentlicht; allein von der deutschsprachigen Ausgabe wurden über 200.000 Exemplare verkauft. Neben seinen Fantasy-Bestsellern schreibt Tad Williams Drehbücher und Hörspiele, erfindet Computerspiele und zeichnet Comics. Er lebt mit seiner Frau und seinen Kindern in der Nähe von San Francisco.

Sprecher
Andreas Fröhlich, geboren 1965, wurde im Alter von sieben Jahren im Kinderchor des SFB entdeckt. Mittlerweile ist er als "Hörspieler" Interpret unzähliger Hörbücher und erhielt 2010 nach drei Nominierungen den Deutschen Hörbuchpreis als bester Interpret für den Titel "Doppler", der in seiner eigenen Hörbuchreihe "Edition Handverlesen" erschien. Für den Hörverlag übernahm er unter anderem Rollen in den Hörspielen von Alexandre Dumas "Die drei Musketiere", den "Wallander"-Hörspielen, der "Otherland"-Saga, sowie "Das Geheimnis der Großen Schwerter" von Tad Williams. Darüber hinaus liest er den Bestseller "Das Labyrinth der Träumenden Bücher" von Walter Moers. Andreas Fröhlich zählt zu den bekanntesten Synchronsprechern Deutschlands und leiht u.a. John Cusack und Edward Norton seine Stimme. Zudem ist er als Dialogbuchautor und Dialogregisseur tätig und u.a. für die deutsche Synchronfassung der "Herr der Ringe"-Trilogie verantwortlich, in der er auch die Rolle des Gollum übernahm.


Die grünlich gehaltene Hülle ziert neben Titel und Namen des Autors ein silbernes Amulett mit orangem Stein, in dem eine Festung zu sehen ist. Sie lässt sich zweifach aufklappen, wobei man neben Informationen zu Autor und Sprecher auch eine Karte von Osten Ard zu sehen bekommt.
Unterstützend zur Geschichte findet man im Innenteil der Hülle auch ein Glossar wo die Charaktere des Hörbuches vorgestellt werden.
Das Cover finde ich sehr ansprechend, man wird direkt neugierig wie das Abgebildete wohl mit dem Titel des Hörbuches zusammenhängt.

In der Geschichte geht es im Wesentlichen um zwei Völker: die Rimmersleute und die Hikedaýa, welche am Ende eines langen Krieges stehen.
Die letzte Schlacht muss geschlagen werden; die unterlegenen Nornen bäumen sich ein letztes Mal auf um ihr Land und ihre letzte Festung Nakkiga gegen die Menschen zu verteidigen.

Erzählt wird von zwei Seiten. Die Menschen werden zum großen Teil durch Porto, einem Soldaten aus dem Felsgassenviertel und Endrie, einem Hafengässler Soldaten vertreten. Beide stammen aus der Stadt Ansis Pellipè und sind eigentlich von Hause aus nicht freundschaftlich verbunden.
Die Weißfüchse werden aus der Sicht vom Großmeister der Bauleute Yaarike und seinem Schützling und Heeresvormann Viyeki vertreten.
Beide Seiten haben neben den Konflikten miteinander auch einiges an Unwegsamkeiten innerhalb der Gruppierungen zu bestreiten. Die einzelnen Charaktere werden zwar am Anfang knapp vorgestellt, bekommen jedoch im Laufe der Geschichte erst richtig Tiefe. Der Autor bleibt hier so neutral und gibt keiner Seite mehr Aufmerksamkeit, so das man als Leser die Entwicklung aller Personen aufmerksam verfolgen kann. Von Anfang an hat man jedoch das Gefühl nicht alles von ihnen zu wissen und hofft darauf, das Unbekannte noch zu erfahren.

Die verwobenen Handlungen und Begebenheiten machen das Hörbuch zu einem Erlebnis. Von der ersten bis zur letzten Zeile fiebert man mit und hofft auf ein gutes Ende.

Völlig wertfrei in Bezug auf Rassen oder Gründe der Handlungen oder Begebenheiten gibt es dennoch eine moralische Tiefe ohne jedoch den Zeigefinger zu erheben.
Zwischendurch wird man von Miga Seyt-Jinnata, Edle vom Orden der Chronisten über die Situationen aus dritter Perspektive informiert. Dies schenkt eine ganz andere Sicht auf das Geschehen, bietet Erklärungen und nähere Informationen, was zwar stellenweise etwas vorgreift, die Spannung aber nicht hemmt.

Wer mit den oben genannten Bezeichnungen der Rassen durcheinander kommt, dem geht es wie mir. Das Hörbuch beginnt ohne Umschweife und somit auch mit einer Fülle von Namen, Bezeichnungen, Orten und Titeln, was am Anfang schon fast überfordert.
Wenn man, wie ich, ohne die Vorgeschichte zu kennen hört, braucht es schon einiges an Konzentration den Geschehnissen folgen zu können, da besonders anfangs oft zwischen Handlungsorten, Rassenbezeichnungen und Sichtweisen gewechselt wird.

Wer aber hilft sich zurecht zu finden ist Andreas Fröhlich.
Der Sprecher schafft es kontinuierlich die Charaktere mit eigenen Stimmen zu belegen so das diese gut zu unterscheiden sind. Er sorgt für eine schöne und angenehme Umgebung, in der man sich verlieren kann.

Was jedoch ein wenig zu spät kam waren die Erklärungen am Ende. Diese vorweg zu nehmen hätte mir sehr geholfen die Zusammenhänge zu verstehen, wobei ich mir nicht sicher bin, ob dadurch nicht auch einiges der Spannung verloren gegangen wäre.

Ich war von „Herz der verlorenen Dinge“ trotz des recht mühsamen Einstiegs begeistert.
Der Tiefgang der Charaktere sowie die fesselnde Art des Sprechers und die durchweg spannende Geschichte haben mich über die gesamte Spielzeit gefesselt. Ich kann diesen Titel jedem empfehlen der gerne Fantasy liest bzw. hört. Auch ohne die Vorgeschichte zu kennen wird man sich nach kurzer Zeit gut zurecht finden in Osten Ard.
Ich bin jetzt schon gespannt auf die Fortsetzung aber auch auf die Vorgeschichte, die ich mir definitiv auch noch anhören werde.

Samstag, Juli 15

[Rezension] Die Frauen von Salem von Brunonia Barry


Taschenbuch: 608 Seiten
Verlag: btb Verlag
Erscheinungstermin: 13. Juni 2017
ISBN-10: 3442714362




Salem, Neuengland: drei tote Frauen, ein kleines Mädchen als Augenzeugin und eine bekannte Historikerin unter Mordverdacht – ein Fall, der nie ganz gelöst werden konnte. Auf den Tag genau fünfundzwanzig Jahre nach dieser unheilvollen Nacht, an Halloween 2014, wird wieder ein Mord verübt. Erneut wird Rose Whelan verdächtigt, der man damals jedoch nichts nachweisen konnte. John Rafferty, Polizeichef in Salem, untersucht den aktuellen Fall und rollt im Zuge der Ermittlungen auch diesen berühmtesten Cold Case der Stadt wieder auf. Callie Cahill, das Mädchen, das damals verschont wurde und später Salem verließ, erfährt aus dem Fernsehen von dem Mord – und kommt zurück in ihre Heimatstadt, denn sie muss beweisen, dass Rose nicht die Täterin sein kann. Rose, die Frau, bei der sie aufwuchs, die ihr einst so nahe stand. Sie kann es einfach nicht gewesen sein – weder damals noch heute. Oder etwa doch?


Brunonia Barry, geboren und aufgewachsen in Massachusetts, studierte Literatur am Green Mountain College in Vermont und an der University of New Hampshire. Sie verbrachte ein Jahr in Dublin, um sich intensiv mit James Joyces Meisterwerk »Ulysses« zu befassen. Barry war Mitbegründerin der Portland Stage Company und arbeitete jahrelang als Drehbuchautorin in Kalifornien. Inzwischen lebt Brunonia Barry mit ihrem Mann in Salem, Massachusetts. Ihr Romandebüt »Die Mondschwimmerin«, das sie zunächst im Selbstverlag publiziert hatte, wurde dank Mundpropaganda ein sensationeller Erfolg. Es wurde in über 20 Länder verkauft und stand wochenlang auf den ersten Plätzen der New York Times Bestsellerliste.


Relativ unaufgeregt zeigt sich „Die Frauen von Salem“, bei dem der Focus des Titelbildes auf den Händen einer jungen Frau oder eines Mädchens liegt, die vor ihrem einfachen, blauen Kleid Blütenblätter fallen lässt. Der Titel sowie der Name der Autorin fügen sich dieser ruhigen Atmosphäre und halten sich schnörkellos und in weiß.

Ein viertel Jahrhundert ist seit den drei Morden in Salem vergangen und schon wieder wird Rose Whelan verdächtigt jemanden umgebracht zu haben. Da die Fälle vor genau 25 Jahren nicht aufgedeckt wurden mausert sich das derzeitige Geschehen schnell zur Hexenjagd.
Damals nahm Rose die fünf jähriege Callie Cahill bei sich auf und versuchte ihr so die Mutter, eines der drei Todesopfer, zu ersetzen.
Als Callie erfährt, das auch diesmal ihre Ziehmutter in Verdacht steht, reist sie zurück nach Salem um zu beweisen, das Rose diese Taten nicht begangen haben kann.

Auch wenn sich der Klappentext wie ein Krimi liest, ist „Die Frauen von Salem“ gespickt mit Mythologie und Übersinnlichem. Die Morde stehen stehen zwar im Zentrum des Geschehens, nehmen aber nicht den Großteil der Handlungen ein, da Rafferty, der neue Polizeichef mit seinen Ermittlungen weit in der Vergangenheit nach Zusammenhängen zwischen den Taten sucht.

Callie gefällt mir als Charakter ganz gut. Sie hat noch immer sehr mit dem Mord ihrer Mutter zu kämpfen, ist sonst aber eine sympathische junge Frau.
Auch der Ermittler John Rafferty wird überzeugend dargestellt und man merkt, wie viel Mühe sich die Autorin mit der Charakterzeichnung gemacht hat.

Ebenso gut kann man sich Salem vorstellen. Das Esoterisch-Übersinnliche, das sich durch die ganze Geschichte zieht empfindet man auch wenn man sich den Ort vorstellt. Man hat den Eindruck, die Hexenjagden und Traditionen der Vergangenheit sind auch heute noch präsent und werden besonders an Halloween sehr deutlich.

Barry´s Schreibstil ist mir weder als besonders positiv noch als negativ aufgefallen. Ich mochte zwar die Art, wie sie die Stimmung in Salem transportiert, jedoch habe ich auf den gut 600 Seiten auch hier und da Passagen gehabt, in denen ich mich selber daran erinnern musste nicht quer zu lesen, da sie doch über Längen verfügen.

Für „Die Frauen von Salem“ sollte man einen gewissen Fable für Übersinnlichkeit und die Hexengeschichten von Salem mitbringen, da diese Thematik sich durch die gesamte Geschichte zieht. Auch findet man hier wesentlich weniger spannenden Krimi, als der Klappentext vermuten lässt. Wer hier aber Interesse hat, wird belohnt mit einem schlüssigen und überraschenden Ende.